“Des han i glei g’wisst, dass des net stemmt”

Der “Gelbfüßler”

Die Wahrheit über das “Musterländle”

Warum können wir kein Hochdeutsch?

Vorausschicken möchte ich, dass ich als Sohne einer württembergischen, evangelischen, liberal-wählenden Mutter und eines badischen, katholischen, rot-wählenden Vaters durchaus in der Lage bin, in die schwäbische als auch in die badische Volksseele zu schauen. Wobei ich durchaus keine ernstzunehmenden Gewichtungen vornehmen will, da ich beide  Landesteile und ihre Menschen, einschließlich deren „Mucken“ liebe. Baden-Württemberg scheint mir wie ein Herz zu sein, die linke Kammer Baden, die rechte Württemberg, beide können nicht ohne den anderen leben, und so schlägt das „Herzle“ unseres „Ländles“ munter zur Freude der Baden-Württemberger.

Und gerade deshalb ist es an der Zeit, gewisse Bezeichnungen und „Sprüchle“ einer eingehenderen Betrachtung zu unterziehen und falls möglich die Wahrheit unter der Decke der Spöttelei an das Tageslicht zu zerren.
 

Der sagenumwobene “Gelbfüßler”

 

Die badische Bevölkerung wird von der württembergischen oft spöttisch als „Gelbfüßler“ bezeichnet. Wenn man dann den Schwaben fragt, wo denn diese Bezeichnung herkommt und was sie denn eigentlich bedeuten soll, erhält man meist zur Antwort, dass „des äba so sei, on d’r Ähne häb des au scho so g’sait“.

Es mag von gebildeten Schwaben der Hinweis kommen, dass badische Steu

Des Rätsels Lösung:
2 Exemplare der Gattung  “Gelbfüßler”.
Die Originalbildunterschrift lautet:
“Musketier und Obristwachtmeister um 1710.”

ereintreiber einstmals unzufrieden waren über das Fassungsvermögen eines Eierkorbs und um diesem Missstand abzuhelfen mit den Füßen auf dem Korb herumgetrampelt seien, was eben dann „gelbe Füße“ zur Folge hatte. Eine wahrhaft Grimm’sche Variante. Abgesehen davon soll sich diese Geschichte im Hohenlohischen abgespielt haben.

Eine weitere Variante trifft die Wahrheit schon besser. „Gelbfüßler“ seien badische Truppenteile genannt worden, welche gelbe Strümpfe oder Gamaschen getragen haben sollen. Diese Truppen seien wegen Ihrer mangelhaften Kampfeslust unter diesem Namen bekannt gewesen und nach anderer Lesart an der Niederschlagung des badischen  Aufstandes 1848 beteiligt.

In der Tat ist es so, dass von etwa 1650 bis 1750 verschiedene (nicht-badische) Truppenteile der Reichsarmee gelb-orangefarbene Strümpfe getragen haben, in der Art etwa wie heutige Strumpfhosen. Ab 1750 dann allerdings weiße

Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, genannt “Türkenlouis”
Quelle: WGM Rastatt

Hosen mit im Sommer weißen, im Winter schwarzen Gamaschen. Zur Zeit der Napoleonischen Kriege und erst recht 1848 war diese  „gelbgefüßte“ Uniformmode also schon lange passé. Und noch ein Wort zur „mangelnden“ Tapferkeit. Es gibt in der militärischen Geschichtsschreibung keine Hinweise auf Unzuverlässigkeiten bei badischen und bei württembergischen Truppenteilen. Das Gegenteil lässt sich am Beispiel von Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, dem legendären Türkenlouis, belegen. Mit  meist unterlegener Truppenstärke vertreibt er als Führer der Reichsarmee die Franzosen aus Süddeutschland, die Türken aus Ungarn und nimmt an der Schlacht am Kahlenberg im  Jahre 1683 teil, dem endgültigen Sieg über die Türken, welche Wien belagerten. Und das alles mit Truppen, welche zum Teil in gelben Strumpfhosen gekämpft haben.

On des isch wohr!

 

 

 

 

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